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Wie man den japanischen Sommer überlebt

Jetzt, da über Europa gerade wieder eine Hitzewelle hinwegrollt, wollen wir hier einen kleinen Einblick geben, wie man im Land der aufgehenden Sonne mit der Gluthitze des Sommers umgeht.

Von ganz Japan kann man an dieser Stelle allerdings gar nicht sprechen, da sich das Land über 6 verschiedene Klimazonen erstreckt. Daher bleiben wir am besten mit unserer Beschreibung am besten auf der Hauptinsel Honshu, auf der wir auch leben.

Seit Anfang Juli sind Tage mit Temperaturen unter 30 Grad eher die Ausnahme geworden. So überrascht es nicht, dass hier fast jede Wohnung mit mindestens einer Klimaanlage ausgestattet ist. In unserem Fall sind es drei und wenn wir zu Hause sind läuft eigentlich auch immer mindestens eines der Geräte. Erst wenn man das Haus verlässt, wird man mit der harten Realität von 35 Grad und 70% Luftfeuchte konfrontiert.

Die Luftfeuchte macht den Unterschied

Denn die ist entscheidend für die Temperaturregulierung durch Schwitzen. Daher geht die Feuchte auch in die Berechnung der “gefühlten Temperatur” ein, die man aus dem Wetterbericht kennt. Und die liegt im Sommer in Tokyo häufig bei gefährlichen 40 °C und darüber.

Die allgemein bekannten Hinweise zu Sonnencreme, viel Trinken und den Rat zu Kopfbedeckungen überspringe ich an dieser Stelle und komme direkt zu den neuen Angewohnheiten und Gadgets, die uns durch den Sommer hier begleiten:

Screenshot der Wetter App zeigt eine gefühlte Temperatur von 40 Grad Celsius
Wettervorhersage zeigt eine Woche lang 35 Grad tagsüber und 27 Grad nachts

Tagesablauf anpassen

Sport verlagert man am besten auf die sehr frühen Morgenstunden. Die Sonne geht momentan um 4:50 auf, entsprechend früh heizt sich auch die Luft auf. Zwischen 10:00-14:00 lässt man Sport oder anstrengende Tätigkeiten im Freien am besten ganz bleiben. Eine Siesta-Kultur gibt es hier leider nicht, dafür aber eine „Atsui desu ne“-Kultur (in etwa „Ganz schön heiß, wa?“). Die Klage über die hohen Temperaturen wird zur Begrüßung unter Kollegen, Smalltalk-Thema und Anmachspruch. 

Kühles Essen 

Im Sommer haben kühle Nudelgerichte hier Hochkonjunktur. Der Klassiker darunter is Zaru-Soba: Kalte Buchweizennudeln, die in eine Sauce auf Dashi-Basis (Japanische Fischbrühe) gedippt und gegessen werden. Enge Verwandte der Soba-Nudeln sind die dünneren Somen-Nudeln. Diese kann man meist bei Sommerfesten in Japan aus einer Bambuswasserrutsche einfangen bevor man sie ebenfalls in Sauce dippt und isst. Kulinarisch ist das eher kein Highlight der sonst grandiosen Japanischen Küche – aber immer ein Erlebnis.

Und selbst wenn nichts mehr geht, dann geht immer noch Kakigori: Geschabtes Eis mit Sirup. In Japan ist das seit Jahrhunderten zurecht ein Dauerbrenner. Heutzutage ist es sowohl in seiner einfachsten Form mit Sirup und Kondensmilch als auch in der Hipster-Variante mit diversen Toppings wie frischer Mango oder Tapioka-Perlen vielerorts zu haben.

Gadgets

Japan wäre nicht Japan, wenn es nicht auch für das Hitze-Problem ein ganzes Arsenal von Produkten zur Abhilfe gäbe. Schließlich ist es auch das Land der beheizten Klobrillen und Gesichtsmuskeltraingspropeller.

Zur Sommergrundausstattung gehören also:

  • Sonnenschirm im Knirps-Format
  • Akkubetriebener Ventilator (besonders praktisch in der Variante zum Umhängen)
  • Kühlschal (ein Spezialtuch, das in Wasser getränkt für Verdunstungskälte sorgt)
  • Kühlende Bodylotion, Kühlendes Kleiderspray und kühlende Feuchttücher (der angenehm frische Effekt wird meist erzeugt durch Verdunstungskälte und Mentol)
  • Eiskissen für diejenigen, die ohne Klimaanlage schlafen (gefüllt mit Gel, das im Gefrierfach nicht hart wird)
  • Kühlpflaster für die Stirn (diese finden normalerweise bei Fieber Verwendung, helfen aber auch in tropischen Nächten und bei Kater)

Die Menschen, die der Hitze berufsbedingt ausgesetzt sind, also z.B. Postboten und Bauarbeiter, tragen übrigens fast durchweg aktiv belüftete Kleidung. Akkubetriebene Ventilatoren pressen Luft durch die Westen oder Jacken und unterstützen damit den kühlenden Effekt der angefeuchteten Schicht darunter.

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